Schreiben als Handwerk

Dra̱·ma·tur·gie Substantiv [die] – Lehre von der äußeren Bauform und den Gesetzmäßigkeiten der inneren Struktur des Dramas.

Vor wenigen hundert Jahren war das Gewicht jedes geschriebenen Wortes allgemein bekannt. Papier war kostbar und die Funktion einer Rücktaste existierte nicht. Man musste sich fünf Mal überlegen, wie man sich ausdrücken möchte, welche Botschaft man senden will und wie sie der Leser interpretieren könnte. Man war durch diese einschränkenden Umstände umso mehr daran interessiert, die Fähigkeit zu erlangen, die richtige Wahl zu treffen.

Denn in der heutigen Gesellschaft von sozialen Netzwerken und Werbung benutzt der Mensch die manipulative Macht des Schreibens als ein Alltagswerkzeug. Die Idee sich an die Tastatur zu setzen und die Fähigkeiten, mit den Fingern Buchstaben abtippen zu können, dazu zu benutzen, eine eigene Geschichte zu verfassen, ist unter diesen Umständen naheliegend und sogar lobenswert. Doch dem Schein nach, ist das zeitgenössische Schreiben das Pendant zur Tiefkühlkost der Kochkunst. Es wird auf die Bequemlichkeit des Nichtwissens gesetzt. Es wurde vergessen das Schreiben ein Handwerk ist, eine künstlerische Fähigkeit, welche man wie jede andere erlernen muss. Es gilt zahlreiche Techniken zu meistern – Normen die dramaturgischen Regeln und Gesetzen folgen –  um diese dann, wenn nötig, gezielt zu umspielen, statt pauschal einen Rundumschlag zu versuchen, rein aus der Motivation Aufmerksamkeit zu erzeugen. Meiner Meinung nach ist die große Kunst, sich diesen Gesetzen bewusst zu sein, ohne im Schreibprozess die Kreativität zu verlieren. Einem Tennisspieler, welcher seinem Gegner den Arm bricht, um zu gewinnen, würde eine gewisse Aufmerksamkeit zu Teil werden, doch bleiben diejenigen, welche den Sport meistern, das denkbar unmögliche im festgelegten Rahmen leisten und das Publikum ins Staunen versetzen, einem wahrhaftig im Gedächtnis.

Meiner Meinung nach bildet der Prozess die Grundtechniken der Dramaturgie zu erlernen, die Voraussetzungen, bevor man sich daran wagen kann, eine von Emotionen und Leidenschaft getriebene Geschichte auf das Papier zu bringen, die den Leser gleichzeitig eine Moral lehrt, die aus der persönlichen Weltsicht des Autors entspringt. Wenn man diesen Prozess ablehnt, ist das schlimmste was man machen kann, die offensichtlichen Fehler und Lücken in der Geschichte als künstlerische Freiheit abzustempeln.