Verstecken in D&D 5e

Lesedauer 4 Minuten

Die Verstecken-Aktion sorgt in Dungeons & Dragons 5e des öfteren für Verwirrung. Kann mein Charakter sich verstecken, wenn der Gegner ihn sehen kann? Ist es möglich, ungesehen die Deckung zu wechseln?

In diesem Artikel versuche ich meinen eigenen Ansatz an die Verstecken-Aktion zu schildern. Dabei werde ich einerseits die geschriebenen Regeln untersuchen und sie anschließend um eigene Beschränkungen erweitern. Das Ziel ist es, ein konstistentes aber vor allem nachvollziehbares Verständnis zu erreichen.

Einer der wichtigsten Punkte, die für Unklarheit sorgen ist, was mit Verstecken eigentlich genau gemeint ist. Ist damit nur die Veränderung der Sichtbarkeit meines Charakters gemeint? Inkludiert die Aktion auch den Weg, den mein Charakter zurücklegen muss, bis zu dem Ort, an dem er sich zu verstecken beabsichtigt?

Die Verstecken-Aktion ist ein zentraler und vorallem spaßiger Teil vieler Klassen. Darum sollte diesbezüglich ein klarer Rahmen gesetzt werden, wie sie funktioniert.

Was passiert alles, wenn eine spielende Person sagt: Ich möchte mich verstecken.


Du kannst dich nicht vor einer Kreatur verstecken, die dich deutlich sehen kann. […] Eine unsichtbare Figur kann immer versuchen sich zu verstecken. […] Einer der Hauptfaktoren, die bestimmen, ob du eine versteckte Kreatur wahrnehmen kannst oder nicht, ist der Umstand, wie gut du in einen Bereich hineinsehen kannst. Dieser Bereich kann leicht oder komplett verschleiert sein.

Player’s Handbook S. 177 (Deutsche Ausgabe)

Aus diesem etwas längeren Abschnitt des Spielerhandbuchs lässt sich ein fundamentaler Schluss ziehen.

Ein Charakter kann sich nur verstecken, wenn dieser für den Gegner verborgen ist.

Die Information, dass sich eine unsichtbare Figur immer versuchen kann zu verstecken, unterstützt diese These. Doch scheint es, dass die Regeln nur den exakten Moment des Versteckens bezeichnen. Den Moment in welchem der Charakter sich hinter eine niedrige Steinmauer duckt und den Atem anhält.

Verstecken im Detail

Ein Blick auf die Angriffs-Aktion zeigt uns, dass eine Aktion in mehrere Phasen unterteilt werden kann. Es müssen Vorbedingungen erfüllt sein, damit ein Charakter die Aktion überhaupt nutzen kann. Erst wenn die Bedingungen erfüllt sind, wird mithilfe von Attributswürfen der Erfolg der Aktion erwürfelt. Ähnlich lässt sich die Verstecken-Aktion in solche Phasen einteilen.

Vorbedingungen

Bevor ein Charakter die Verstecken-Aktion ausführen kann, muss die Bedingung erfüllt werden, welche wie folgt im Spielerhandbuch beschrieben wird.

Du kannst dich nicht vor einer Kreatur verstecken, die dich deutlich sehen kann.

Player’s Handbook S.177 (deutsche Ausgabe)

Genauso wie eine Angriffs-Aktion nur ausgeführt werden kann, wenn sich ein Gegner in Reichweite befindet, kann eine Verstecken-Aktion nur ausgeführt werden, wenn man vor dem Gegner verborgen ist.

Doch was bedeutet es verborgen zu sein bzw. nicht deutlich zu sehen zu sein. Fähigkeiten wie Deckmantel der Wildnis (Waldelfen) geben weitere Details preis.

Du kannst versuchen, dich zu verstecken, obwohl du nur von Blattwerk, starkem Regen, fallendem Schnee, Nebel oder anderen natürlichen Phänomen leicht verschleiert wirst.

Player’s Handbook S.21 (deutsche Ausgabe)

Die Fähigkeit impliziert im Umkehrschluss, dass eine leichte Verschleierung im Normalfall nicht ausreicht, um die Verstecken-Aktion auszuführen. Daraus folgt, dass für Charaktere ohne Fähigkeiten wie Deckmantel der Wildnis die Verstecken-Aktion nur nutzen können, wenn sie komplett verschleiert sind.

Zusätzlich lässt sich diese Definition mithilfe der Regeln zur Deckung erweitern.

Ein Ziel, [..] das sich in vollständiger Deckung befindet, wird lückenlos von einem Hindernis verdeckt.

Player’s Handbook S. 196 (deutsche Ausgabe)

Daraus wird deutlich, dass es Charakteren, die sich in vollständiger Deckung befinden, möglich ist, die Verstecken-Aktion zu nutzen.

Heimlichkeitswurf

Erst wenn die Vorbedingung erfüllt ist, kann ein Charakter die Verstecken-Aktion überhaupt nutzen und den Versuch starten, sich zu verstecken.

Wenn du dich zu verstecken versuchst, legst du einen Wurf auf Geschicklichkeit (Heimlichkeit) ab. Mit dessem Ergebnis müssen sich die Würfe auf Weisheit (Wahrnehmung) jener Kreaturen messen, die aktiv nach Zeichen deiner Gegenwart suchen.

Player’s Handbook S. 177 (deutsch Ausgabe)

Wenn der Charakter einen Weg zurücklegen muss, wird nun bestimmt, ob er auf dem Weg zu seinem Versteck für den Gegner sichtbar ist.

Um ein bildlichen Beispiel für diesen Fall zu zeichnen, stelle man sich vor, dass ein Charakter von einer Deckung zur anderen wechseln möchte, wobei die Deckungen dicke Baumstämme sind, hinter welchen der Charakter vollständig verborgen ist.

Wenn der Charakter von einem Baum zum nächten huscht, ist er für die Dauer des Deckungswechsel für den Gegner sichtbar. Gewinnt der Gegner den Attributs-Wettkampf, schlägt die Verstecken-Aktion fehl. Der Gegner weiß von der Position des Charakters.

Notwendigkeit

Es ist wichtig zu erwähnen, dass sich der Heimlichkeits-Wurf auch auf das Verstecken an sich bezieht. Es macht keinen Unterschied, ob der Charakter einen Weg zum Versteck zurücklegen muss oder nicht. In beiden Fällen muss die spielende Person ihre Heimlichkeit mit der Wahrnehmung des Gegners messen.

Ein Mensch der sich zu verstecken versucht und mit schnellen, lautlosen Schritten hinter einen umgestürzten Wagen huscht, kann auf sich aufmerksam machen, indem er einer totgeglaubten Katze auf den Schwanz tritt.

Doch genauso kann der Halbling, der sich zu verstecken versucht und sich schon verborgen hinter dem Wagen befindet, einen Hustenanfall bekommen, wenn der beißende Rauch des brennenden Gebäudes im den Atem nimmt.

Wissen & Sichtkegel

Dieser Artikel bespricht nicht den Umgang mit dem Gedächnis bzw. der Intelligenz des Gegners. Es stellt sich natürlich die Frage, ob er schon im Vorhinein von dem Halbling wussten, der sich hinter dem umgestürzten Wagen befindet.

Genauso wenig wurde davon gesprochen, wie sich der Heimlichkeits-Wurf verhält, wenn der Gegner den Bereich einsehen kann, den der Charakter durchquert, um zum Verteck zu gelangen.

Diese Umstände verändern die Verstecken-Aktion nicht im Kern, sondern erschweren nur die Erfolgschancen. In beiden Fällen könnte der SL sich dazu entscheiden dem Gegner einen Vorteil auf den Wahrnehmungswurf zu geben. Der SL könnte sich auch dazu entscheiden, im ersten Fall dem Halbling zusätzlich einen Nachteil zu geben, da der Gegner schwer von jemandem überrascht werden kann, von dem er weiß, dass er sich hinter dem Wagen befindet.

Doch diese Fragen lassen sich wesentlich leichter beantworten und die Folgen zügiger improvisieren. Die Anpassung des Heimlichkeit-Wahrnehmungs-Wettkampfs ist der Moment, in welchem der SL die Verstecken-Aktion auf die äußerlichen Umstände der Welt anpassen kann.

Konklusio

Es hilft die Verstecken-Aktion wie eine Abwandlung der Angriffs-Aktion zu betachten. Trotz allem handelt es sich dabei, um eine Kampfhandlung. Es muss eine Vorbedingung für diese Kampfhandlung erfüllt sein, um sie überhaupt nutzen zu können. Erst dann und nur dann wird der Erfolg der Aktion erwürfelt. Mit diesem Ansatz bildet die Verstecken-Aktion einen konstrastreichen Gegensatz zur Angriffs-Aktion.

Es gibt keinen Angriffswurf, wenn kein Gegner in Reichweite ist.
Es gibt keine Heimlichkeitswurf, wenn der Oger dir direkt in die Augen blickt.

Bildnachweis: Jonas Jensen.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in D&D